November 5, 2019 2:54 pm Published by Leave your thoughts

Der 10. Oktober wurde weltweit zum Mental Health Day ernannt. Ein Tag um Menschen über die psychische Verfassung Betroffener aufzuklären, auf Depression aufmerksam zu machen und wie man als Bedürftiger Hilfe bekommen kann. Hilfe kann in verschiedenen Formen bestehen und die schwierige Herausforderung sie in Anspruch nehmen zu können, ist dabei zu wissen, welche Art von Unterstützung jeder Individuelle benötigt um das Meiste davon zu profitieren. 

Manche behelfen sich mit Yoga, Pilates oder anderen sportlichen Aktivitäten. Sport ist ein guter Weg um sich selbst auszupowern, was wiederum „glücklich“ macht, da dabei viele Botenstoffe, wie unter anderem Adrenalin, Dopamin und Serotonin freigesetzt werden. Dies führt zu körperlichem Wohlbefinden (oder setzt den Fokus auf andere Dinge, so dass das ursprüngliche Problem sich nicht mehr so negativ auf die Stimmung auswirkt). Sicherlich ist der Begriff „Runner’s High“ bekannt, oder? Hier funktioniert der Körper quasi von allein und man denkt nicht wirklich darüber nach, was gerade passiert und was man genau tut. 

Andere Leute wiederum sehen gerne TV Serien. Netflix, Amazon Prime Video, Hulu und viele andere Streamingdienste sind so erfolgreich, dass andere Unternehmen wie Disney oder Apple auch ein Stück vom Kuchen abbekommen wollen. „Binge Watching“ ist ein zufriedenstellendes Ablenkungsmanöver für den Kopf bei Depression (und auch allgemein). Auch hier wird die Aufmerksam vom großen schwarzen Hund (eine Umschreibung für Depression) abgelenkt. 

Zugegeben, das klingt sehr negativ. Und ratet mal, wenn man „Video games and mental health“ auf Google eingibt, dann erhält man in der Tat mehrere deprimierende Ergebnisse. (Anmerkung: Ich habe immer auf Englisch gesucht; was ich aber in letzter Zeit online in den wenigen deutschen Artikeln, die ich mir antun konnte, dank der Schießerei in Halle gesehen habe, geht in die gleiche Richtung. Wenn nicht sogar aggressiver und schlimmer.) Da wundert man sich nicht, dass Videospiele gern mal als Sündenbock für Amokläufe herhalten müssen. 

Ich habe über Abhängigkeit gelesen, von Augenproblemen bis über den Einfluss von Blaulicht, das von Bildschirmen ausgeht, erfahren, und selbst „Nintendonitis“ (Zustand, der Bläschenbildung auf der Haut, Anschwellen des Daumens und das RSI-Syndrom, also widerkehrende Verspannungen in Nacken-, Schulter- und Armbereich durch Halten des Controllers verursacht) wurde erwähnt. Glücklicherweise bin ich auch über Artikel gestolpert, die trotz alldem nicht zu negativ gegenüber Videospielen verfasst wurden. Sie waren jetzt nicht voller Begeisterung über das Thema verfasst, aber mir ist eine neutrale Herangehensweise lieber, statt drauf rumzureiten. 

Bedauerlicherweise ist, wie oben erwähnt, die Politik (und eben auch oftmals die Presse) immer noch fest davon überzeugt, dass Videospiele immer der Auslöser sind und alles andere als harmlos in ihren Inhalten sind. Verstärktes Cyber-Mobbing und engagierte, so genannte „keyboard warriors“ sind weiterhin Alltag auf Social Media Plattformen (die zusehends auf ihrer Mission, andere zurecht zu weisen, noch stärker zu werden scheinen) und bestätigen dieses Argument dadurch eben auch noch.  

Allerdings ist es deswegen immer noch nicht wahr und richtig. 

Deshalb möchte ich, nachdem ich diesen Artikel über Videospiele und dass alles einfach schädlich werden kann, wenn man davon besessen ist, weiterspielen und weiterhin meine positive Meinung darüber zum Ausdruck bringen. 

Ja, alles kann abhängig machen und ist deshalb schlecht für jemanden/dich. Selbst zu lang auf einem Stuhl zu sitzen kann schädlich sein (Sitzen ist das neue Rauchen oder wie war das vor ein paar Jahren?). Und das ganz unabhängig davon ob man Videospiele spielt und sich selbst als Gamer bezeichnet, oder nicht. Jetzt ist auch Schluss und wir kommen zum eigentlichen Thema! 

Ich mag selbst Spiele, deswegen könnte man leicht behaupten ich wäre voreingenommen. Bin ich auch. Das streite ich nicht ab. Ich bin auch nicht hier, um mein Hobby zu verteidigen, eher um auch die andere Seite darzustellen und zu erzählen, wie mir Videospiele durch schwierige Zeiten geholfen haben. 

Die erste Konsole, die wir hatten, war damals das NES. Ich bin in einer großen Familie aufgewachsen, die mehr oder minder alle gespielt haben. Spiele untereinander auszutauschen war damals immer lustig. 

Die erste prägende Erinnerung damals hatte ich dank Kid Icarus. Ich habe darüber über das Spiel schon ein bisschen gesprochen, aber ich widerhole mich in dem Fall gerne selbst. Ich bin zum größten Teil von meiner Großmutter großgezogen worden, da meine Mutter von Anfang an alleinerziehend war. Meinetwegen hatte besagte Oma immer wieder Videospiele spielen müssen, damit ich nachmittags schlafen konnte. Irgendwann war zusehen auch nicht mehr genug, deswegen wollte ich irgendwann selbst einen Controller (oder „Drücker“ wie meine Familie damals sagte) in die Hand nehmen. 

Kid-Icarus-Image

Spoiler: Ich war wirklich nicht gut und durfte nicht zu lang in dem Alter spielen. Wer Kid Icarus kennt, der weiß, dass das Spiel sich damals nicht zu den einfachsten einreihte. Besonders in späteren Leveln. Das Spiel war damals auch älter als ich, aber ich glaube ich war damals vier oder fünf als ich die Angewohnheit entwickelte, nicht mehr ohne Kid Icarus im Hintergrund laufend gut einschlafen zu können. 

(Anmerkung: Kid Icarus hatte am 15. Februar 1987 in Europa in den Regalen stehen dürfen. Mein eigenes „Erscheinungsdatum“ war mehr als ein Jahr später am 12. August 1988.) 

Ironischerweise bescherte mir dennoch ein Musikstück des Soundtracks von Kid Icarus Albträume. 

Wenn Interesse an dieser Geschichte besteht, kann gern in Episode 9 vom Caffeinated Banter Cast-Podcast reinhören. Dort spreche ich im Gaming Past segment in Englisch darüber. Die Story sollte so bei 01:15:00 starten, falls jemand direkt dort ansetzen möchte. 

Wie dem auch sei, Kid Icarus verhalf mir zum Einstieg in Videospiele und ich liebe es bis heute. Es war neben Super Mario und anderen Titeln ein interessanter und schöner Start in die Videospielindustrie. Manche von ihnen waren schwerer zu meistern, aber ich wollte nie aufgeben. 

Etwas, was mir bis heute erhalten blieb bei schwereren Titeln und ich es immer wieder versuchte bis ich mit sechs oder sieben dann auch endlich längere Zeit am Stück spiele durfte. Ich erinnere mich, dass ich zu der Zeit noch nicht in der Schule war und deswegen auch außerhalb des Wochenendes über Nacht bei meinen Großeltern bleiben durfte. 

Und ihr wisst sicher wie Großeltern so sind, ich durfte für meine Verhältnisse damals suuuperlang aufbleiben, ha! 

Um jetzt nicht zu ausfallend und ausschweifend mit meiner Lebensgeschichte zu werden, gehe ich schnell zum SNES über. Wir hatten damals auch, meines Erachtens, Titel, die nicht in jedem Haushalt zu finden waren. Es war doch etwas überraschend, weil die Spiele damals doch sehr teuer waren und niemand in meiner Familie zum Typ Gamer gehörte, sich groß in Videospielmagazinen über erscheinende Games zu informieren. Unter diese Titel abseits vom Mainstream fallen für mich unter anderem Plok, Tiny Toon Adventures: Buster Busts Lose! Oder Kirby’s Dream Course.

Jedes Spiel davon weckt schöne Erinnerungen. Aladdin beispielsweise auch besonders. Ich bin mir nicht sicher ob ich mir die Remaster Edition mit König der Löwen holen werde, aber an das kleine Mädchen von damals zurück zu denken, dass diesen Level in Aladdin mit der Lava und dem fliegenden Teppich immer und immer wieder versucht hat… Ist schon etwas Einzigartiges. Viele meiner Familienmitglieder hatten es auch stets versucht, aber dann war es doch die Kleine, die es irgendwie als erste geschafft hat. Dank ihres Sturkopfes eben (den habe ich heute auch noch). 

Aladdin-Image

Diese beiden Spiele, Aladdin und Kid Icarus, haben dadurch einen besonderen Platz in meiner Sammlung. Als ich größer wurde, wurden meine Englischkenntnisse auch besser dank besagtem Spielen der Videospiele. Deutschland tendiert dazu alles tot zu übersetzen in die eigene Sprache. Es hat sich nun gelockert, aber damals war dies besonders schlimm. Mein Lerninteresse war damals nicht so ausgeprägt wie heute. 

Mit Lehrern, die mehr Unterstützung gebraucht hätten, andere die wirklich gut und relativ engagiert waren und das Lehramt nicht nur als Möglichkeit ihr täglich Brot zu verdienen ansahen, bis hin zu Lehrkörpern, die eine absolute Vollkatastrophe in der Prägung der Persönlichkeit und des Lernerfolges waren, war alles in meiner Schullaufbahn vertreten. Ich kann dies heutzutage wirklich nachvollziehen, denn Lehrern mangelt es an Respekt von allen Seiten und Überforderung herrscht leider im Überfluss in jedem Berufsfeld, aber dies forderte nicht wirklich das Lernverhalten. 

Genug davon. Was ich sagen möchte, ist, dass mein Sprachverständnis damals zwar zum Besten der Klassen gehörte (dabei führte ich in Mathe immer das Schlusslicht an), aber Übung ja bekanntlich den Meister macht, nicht wahr? 

Also setzte ich mich mit den Spielen, die nicht übersetzt worden waren, vor den Fernseher meiner Oma mit einem Wörterbuch. Jedes Mal, wenn ich ein Wort nicht wusste und es aus dem Kontext nicht erschließen konnte, schlug ich es nach. Das half mir wirklich sehr weiter und rettete mir in manchen Situationen den Hintern in manchen Tests. (Kennt noch einer Vokabeltests bei denen jedes Wort zählt? Die Situationen meine ich.) 

Und manchmal wollte eben auch Opa wissen, wieso ich jetzt gerade in einer Zwischensequenz lache und dann hab ich ihm es eben übersetzt. 

Die Titel, die ich besonders erinnere in Englisch gespielt zu haben, waren Grandia II und Harvest Moon: Friends of Mineral Town

Zum Schluss möchte ich noch ein Spiel erwähnen, das einige sicher gut von meiner Timeline auf Twitter kennen: Stardew Valley. Natürlich gab es noch andere Spiele, die mir dabei geholfen haben, den Alltag etwas besser zu meistern, aber das Projekt von Eric Barone half mir durch schwierige Zeiten auf meiner Arbeit am Meisten. 

Stardew Valley

Es ist schon einige Jahre her. Das Zusammenarbeiten mit zwei meiner direkten Kolleginnen war schwierig. Ich habe den Alltag bestmöglich versucht zu meistern, aber Stardew Valley war abends das einzige, was mich wirklich entspannen ließ (neben meinen Katzen und Freund natürlich). Auch trotz der Tatsache, dass ich wöchentlich in Schichten gearbeitet hatte, dies nicht wirklich mochte und mir mehr und mehr an die Substanz ging, konnte ich den Controller jeden Abend kaum ablegen. 

Wer mit dem Plot von Stardew Valley vertraut ist, dem kann ich sagen, dass Protagonist und ich beide etwas ähnliches teilten. Die Herausforderung fehlte und den Alltagstrott satt brachte mich dazu, mein Problem anzupacken und zu ändern. Es war inspirierend und ermutigend, dies auch im Spiel zu sehen und den Schritt selbst für mich zu machen wie die Hauptperson dort. 

All die netten Menschen, die ich dank unseres gemeinsamen Hobbys online getroffen habe, gehören hier ebenfalls erwähnt. Ohne Games wäre das nicht so verlaufen. Anders, aber nicht so. 

Gerade deswegen macht es mich traurig und auch wütend, dass Videospiele von Journalisten und Politikern oftmals als schlecht betitelt werden und immer ein wichtiger ausschlaggebender Faktor war bei Schießereien. Mir bleibt nichts anderes übrig als diese Meinung zu akzeptieren, aber ich werde es sicherlich nicht schweigend so hinnehmen. 

Ich werde weiterhin respektvoll versuchen, zum umdenken anzuregen und mache weiter. Spielen, darüber reden und niemals müde werden darüber zu berichten, wie viel besser Videospiele mein Leben doch machen. Ohne Gewalt. 

Nächste Woche: Retro game des Monats (Teil 1 der Serie)

Bleibt dran, danke fürs lesen und happy gaming! 

 

Hier bin ich auch unterwegs: 

Twitter: https://twitter.com/lady_sugarcube 

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Wöchentlicher Co-Host, Anchor Podcast (englisch): https://anchor.fm/caffeinatedbanter 

 

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This post was written by LadySugarcube

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